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«New Work» in der Klinik – Wunsch oder Wirklichkeit?

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«New Work» steht für einen grundlegenden Wandel der Arbeitswelt. Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben und die Fluktuation zu senken, lohnt es sich, neue Arbeitsweisen für die Klinik zu entwickeln. Erfolgreiche Ansätze stellen wir Ihnen hier und in der Checkliste zum Download vor.

Die Arbeitswelt wandelt sich stetig – pandemiebedingt nur viel schneller als wir es bisher kannten. Plötzlich wird das heimische Wohnzimmer zum Büro. Meetings finden nur noch virtuell statt. Routinearbeiten erledigt eine Software mithilfe künstlicher Intelligenz (KI). «New Work» oder «Arbeiten 4.0» sind die Schlagworte, die das Konzept einer von Digitalisierung geprägten, flexiblen und individualisierten Form der Arbeitsorganisation beschreiben. Der Trend geht weg von starren Hierarchien, hin zu einer Teamkultur – weg von Arbeit als Mittel zum Geldverdienen, hin zu einer sinnstiftenden Tätigkeit und ausgewogenen Work-Life-Balance.1

Remote Working, flexible Arbeitszeiten – wie soll das gehen?

Doch wie stellt sich die Zukunft der Arbeit im Krankenhaus dar? Wie viel Entscheidungsfreiheit und selbstbestimmtes Arbeiten sind in einer Klinik möglich? Warum sollten Klinik-Manager «New Work» überhaupt auf der Agenda haben? Auf den ersten Blick scheint «New Work» allen Anforderungen und Strukturen im Krankenhaus zu widersprechen.2 Der 24/7-Dienst am Patienten ist mit Home-Office oder Remote Working nicht zu vereinbaren. Angesichts starrer Dienst- und Schichtpläne sind selbst flexible oder individuelle Arbeitszeiten nur schwer vorstellbar. Der Versorgungsforscher Prof. Amelung ist sich sicher, dass sogar ein stark hierarchisches System für manche Gesundheitsleistungen essenziell ist und erklärt: «eine OP kann ungeachtet allen Teamworks nur mit der Verantwortlichkeit einer einzelnen Person, die den Ton angibt, gelingen.»1

Warum es sich trotzdem lohnt, «New-Work»-Ansätze einzuführen

Hohe Fluktuation und Personalmangel sind meist die Gründe dafür, warum Klinik-Führungskräfte darüber nachdenken, Aspekte der neuen Arbeitswelt zu etablieren. Unter Stellenbesetzungsproblemen leiden Krankenhäuser auf der ganzen Welt.3 In US-amerikanischen Kliniken liegt die Fluktuationsrate aktuell bei etwa 20% pro Jahr4, auf französischen Intensivstationen sogar bei 24%.3 In 9 von 10 Fällen kündigen Mitarbeitende freiwillig4, u. a. weil sie unzufrieden sind, sich ausgebrannt fühlen oder keine Karriere-Perspektive sehen. Qualifiziertes Personal zu finden, ist aufwendig und jede unbesetzte Stelle bedeutet, dass ein anderer zusätzliche Arbeit leisten muss – was die Situation nur weiter verschärft.5 «New Work» bietet einen Ausweg und die Chance, die eigene Arbeitgeber-Attraktivität zu steigern, die Mitarbeiterbindung zu festigen und die Fluktuation zu senken.

Fallbeispiele: So nutzen Krankenhäuser die «New-Work»-Chancen 

  • Ein flexibles Team als Antwort auf variablen Bedarf

Personalengpässen begegnet das Universitätskrankenhaus Brüssel (Belgien) mit einem flexiblen Team von etwa 44 Krankenschwestern, Hebammen und Pflegern, die im gesamten Krankenhaus tätig sind. Wo und wann sie zum Einsatz kommen, wird von täglichen, KI-gesteuerten Echtzeitprognosen bestimmt. Eine wichtige Voraussetzung, um Teil dieses Teams zu werden, sind umfangreiche klinische Erfahrungen sowie gute Kenntnisse der Krankenhaus-Abteilungen. Die Abhängigkeit von Leih- und Zeitarbeitskräften konnte so verringert und die Zufriedenheit der Mitarbeiter gesteigert werden. Das Krankenhaus wurde wiederholt zu einem der besten Arbeitgeber in Belgien gewählt.6

  • Mehr Abwechslung im Klinikalltag

Um dem Personal mehr Vielfalt und umfassendere Erfahrungen zu vermitteln, bietet das Klinikum Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland) Beschäftigten in bestimmten Positionen an, teilweise im stationären sowie im ambulanten Bereich zu arbeiten. Das bringt nicht nur mehr Abwechslung in den Arbeitsalltag, sondern erweitert den Blick auf die Patientenversorgung.

  • Leistungen wertschätzen

Statt nur auf die Fehler zu schauen, hat ein Team von Klinikern des Birmingham Children's Hospital (Grossbritannien) die Initiative «Learning from Excellence» ins Leben gerufen. Die Mitarbeiter können über ein Online-Tool (GREATix) einen Kollegen oder ein Team nominieren, wenn sie herausragende Leistungen am Arbeitsplatz beobachten. Die Berichte werden auf die Schlüsselfaktoren analysiert, die zum Erfolg geführt haben und die Erkenntnisse an die Mitarbeiter im Krankenhaus weitergegeben. Umfragen zeigen, dass sich dadurch Motivation, Zufriedenheit und Resilienz bei den Beschäftigten verbesserten.6

Wer im Wettlauf um die Fachkräfte bestehen will, muss sich als attraktiver Arbeitgeber darstellen und sich mit den Facetten von «New Work» auseinandersetzen. Welche Strategien sich als erfolgreich erwiesen haben und in welchem Land das ärztliche Personal am zufriedensten ist, haben wir für Sie in der Checkliste «Von anderen lernen – Arbeiten 4.0 im Krankenhaus» zusammengestellt.

Referenz

Quellen­angaben

  1. Amelung VE, Ex P. New Work im Gesundheitswesen - eine Standortbestimmung. In: Amelung VE, Eble S, Sjuts R, et al., Herausgeber. Die Zukunft der Arbeit im Gesundheitswesen. Berlin: ‎MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2020, p. 3–17.
  2. Fortmann HR. Die New Work-Ära. In: Amelung VE, Eble S, Sjuts R, et al., Herausgeber. Die Zukunft der Arbeit im Gesundheitswesen. Berlin: ‎MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2020, p. 69–81.
  3. Daouda OS, Hocine MN, Temime L. Determinants of healthcare worker turnover in intensive care units: A micro-macro multilevel analysis. PLoS ONE 2021;16(5):e0251779.
  4. NSI Nursing Solutions, Inc. 2021 NSI National Health Care Retention & RN Staffing Report; 2021. Verfügbar unter https://www.nsinursingsolutions.com/Documents/Library/NSI_National_Health_Care_Retention_Report.pdf [03.08.2021].
  5. Columbia Southern University. Recruitment and Retention in Health Care. Verfügbar unter https://www.columbiasouthern.edu/blog/january-2021/recruitment-and-retention-in-healthcare.[03.08.2021].
  6. Deloitte Centre for Health Solutions. Time to care. Securing a future for the hospital worforce in Europe; 2017. Verfügbar unter https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/uk/Documents/life-sciences-health-care/deloitte-uk-time-to-care-health-care-workforce.pdf. [03.08.2021].
  7. Rochus Mummert Healthcare Consulting. Von Arbeit 4.0 bis Frauen in Führungspositionen. Verfügbar unter https://www.rochusmummert.com/wp-content/uploads/2020/06/HealthCare_Management_Das_deutsche_Gesundheitswesen_im_Blitzlicht_compressed.pdf. [03.08.2021].

Tipp

Zum Weiterlesen

Amelung VE, Eble S, Sjuts R, et al. (Hrsg.)
Die Zukunft der Arbeit im Gesundheitswesen.
Berlin: MMV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2020.

Lehwald A.
Krankenpflege-Personal finden und binden: Wie Sie ein attraktiver und begehrter Arbeitgeber werden. Die besten Strategien aus der Berater-Praxis.
Schlütersche, 2019.

Prölss J, van Loo M (Hrsg.)
Attraktiver Arbeitgeber Krankenhaus: Employer Branding – Personalgewinnung – Mitarbeiterbindung.
Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2017.

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