Blickpunkt Wissenschaft

Kurz und gut: Der optimys-Schaft überzeugt zur «Halbzeit»

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Von Priv.-Doz. Dr. med. Karl Philipp Kutzner a

Der optimys-Schaft gilt als einer der populärsten Vertreter der kalkargeführten Kurzschäfte. Wie die Auswertung zur «Halbzeit» nach 5 Jahren klinischer Anwendung zeigt, sind Patientenzufriedenheit, Funktionsscores und Überlebensrate bemerkenswert hoch.

Die Kurzschaft-Hüftendoprothetik hat sich in den letzten Jahren in weiten Teilen der Welt zunehmend etabliert. Kurzschäfte stellen eine knochen- und weichteilschonende Alternative zu konventionellen Schäften dar, eignen sich hervorragend für minimal-invasive Zugänge und bieten, falls erforderlich, die Möglichkeit einer Revision mit einem Standard-Geradschaft. 1

Der optimys-Schaft gehört der neuesten Generation von Kurzschäften an und ist mittlerweile einer der populärsten Vertreter der sogenannten kalkar-geführten Schäfte. 2 Charakteristisch ist hierbei eine individuelle Schaftpositionierung entsprechend der vorbestehenden Anatomie, welche durch eine variable Höhe der Schenkelhalsosteotomie erreicht wird. 3 Neben einer rein metaphysären Verankerung ist somit, abhängig von der Anatomie, auch eine zusätzliche Fixierung in der proximalen Diaphyse möglich.

Der optimys-Schaft wurde 2010 im Rahmen einer Multicenter-Studie erstmalig in Wiesbaden implantiert. In den vergangenen Jahren konnten die mittelfristigen Ergebnisse von 216 eingeschlossenen Schäften untersucht und entsprechend publiziert werden.

Überzeugende Daten in Klinik und Bildgebung

Sowohl die Funktionsscores als auch die Patientenzufriedenheit erreichten insgesamt hervorragende Werte nach 5 Jahren. 4 

In einer gesonderten Auswertung der insgesamt 54 eingeschlossenen Patienten mit simultan-bilateraler Versorgung konnte ein äusserst zufriedenstellendes postoperatives Aktivitätslevel nachgewiesen werden. 5 In vielen Fällen war sogar eine Wiederaufnahme der sportlichen Betätigungen möglich. 5

In der Bildgebung zeigten sich nach 5 Jahren im gesamten Kollektiv keine Anzeichen für Osteolysen. Lediglich in 2 Fällen (1%) konnten minimale Aufhellungssäume ohne Progredienz im zeitlichen Verlauf beobachtet werden. Verglichen mit anderen Kurzschaftimplantaten wurden bemerkenswert wenige Anzeichen von distaler Lastübertragung im Sinne einer Kortikalishypertrophie (4,5%) registriert, welche zudem gänzlich asymptomatisch verblieben. In varischen Konfigurationen waren nahezu keine Zeichen von knöcherner Resorption im Sinne von Stress Shielding abgrenzbar. Hier war von einer überwiegend metaphysären Verankerung auszugehen (Abb. 1). 

In valgischen Konfigurationen kann der proximale Knochenerhalt nur teilweise erfolgen. Aufgrund der zusätzlichen Verankerung in der proximalen Diaphyse war eine leichte Reduktion der Knochendichte nach 5 Jahren erkennbar. 4 Eine kürzlich veröffentlichte DEXA-Studie zeigt, dass Kurzschäfte «Stress shielding» und periprothetischer Knochenverlust minimiert werden kann.

 

Abb. 1 Beispiel einer varischen Konfiguration mit metaphysärer Verankerung (links: postoperativ; rechts: 5-Jahres Follow-up) 4

«Undersizing» als Ursache für Migration erkannt

Die axiale Implantatmigration gilt als negativer prädiktiver Faktor für das Implantatüberleben. 6 Nach 2 Jahren betrug die mittlere axiale Migration im gesamten Kollektiv 1,43mm. 7 Zum 5-Jahres-Zeitpunkt zeigte sich in den allermeisten Fällen eine Stabilisierung mit einem mittleren Wert von 1,50mm. 8 Lediglich in 4 Fällen kam es zu einer fortgesetzten Migration von >1mm. In allen diesen Fällen konnte eine zum Teil deutliche Unterdimensionierung der Schäfte («Undersizing»), im Sinne eines chirurgischen Fehlers, als Ursache ausgemacht werden (Abb. 2). 

Insbesondere in valgischen Konfigurationen kam es häufiger zu einem Undersizing und damit auch zu einer erhöhten axialen Migration. 9 Auch bei übergewichtigen, männlichen Patienten stieg das Risiko einer erhöhten Sinterung. 10 Klinische Konsequenzen zeigten sich zum 5-Jahres-Zeitpunkt in keinem der Fälle des Kollektivs.

Abb. 2 Beispiel einer deutlichen Unterdimensionierung (Undersizing) mit axialer Migration in der Folge (links: postoperativ; rechts: 5-Jahres Follow-up) 8

Hohe Überlebensrate von 98,5% nach 5 Jahren

Während im Wiesbadener Kollektiv in keinem der Fälle eine Revisionsoperation mit Wechsel des Implantates notwendig war, erfolgte in der Multicenter-Studie nach 5 Jahren nur in 13 Fällen eine Schaftrevision. Dies entspricht einer Überlebensrate des optimys-Schaftes von 98,5% nach 5 Jahren. Als häufigste Ursache für eine Revision konnte eine traumatische periprothetische Fraktur ausgemacht werden. Insbesondere bei Femora mit sehr weitem zylindrischen Markraum (DORR-Typ C) erhöhte sich das Risiko einer postoperativen Fraktur signifikant. 11 Die niedrige Komplikationsrate, sowohl intraoperativ als auch in den ersten postoperativen Jahren, ist bemerkenswert. Diese Ergebnisse werden durch aktuelle Daten im Australischen, im Schweizer sowie im Deutschen Endoprothesenregister eindrucksvoll bestätigt. 12–14 Hier zählt der optimys-Schaft zu den Schäften mit der geringsten Revisionsrate überhaupt.

Fazit

Hervorragende klinische Ergebnisse, zumeist knochensparende Eigenschaften, eine grosse Indikationsbreite und eine bemerkenswert niedrige Komplikations- bzw. Revisionsrate machen den optimys-Schaft zu einem enorm verlässlichen und vielseitig einsetzbaren Implantat. Um eine hohe Primärstabilität zu gewährleisten, sollte ein Undersizing vermieden werden. Eine intraoperative Röntgenkontrolle ist obligat. Bei DORR-Typ C Femora kann eine Implantation nicht empfohlen werden.

Die Untersuchung der 10-Jahres-Ergebnisse wird in diesem Jahr beginnen und zusätzliche Erkenntnisse für eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte des optimys-Schaftes liefern.

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Referenz

Quellen­angaben

a Klinik für Orthopädie, ZOWU – Zentrum für Orthopädie, Wirbelsäule und Unfallchirurgie, St. Josefs Hospital Wiesbaden, Germany

  1. Yan SG, Woiczinski M, Schmidutz TF, Weber P, Paulus AC, Steinbrück A, et al. Can the metaphyseal anchored Metha short stem safely be revised with a standard CLS stem? A biomechanical analysis. Int Orthop 2017 Dec 9;41(12):2471–7.
  2. Connelly CE, Zweig D, Webster J, et al. Knowledge hiding in organizations. J Organiz Behav 2012;33(1):64–88.
  3. Kutzner KP, Pfeil J. Individualized Stem-positioning in Calcar-guided Short-stem Total Hip Arthroplasty. J Vis Exp. 2018 Feb 27;(132).
  4. Kutzner KP, Donner S, Loweg L, Rehbein P, Dargel J, Drees P, Pfeil J. Mid-term results of a new-generation calcar-guided short stem in THA: clinical and radiological 5-year follow-up of 216 cases. J Orthop Traumatol. 2019 Dec 31;20(1):31.
  5. Donner S, Rehbein P, Schneider M, Pfeil J, Drees P, Kutzner KP. Return to Sports and Recreational Activity After Single-Stage Bilateral Short-Stem Total Hip Arthroplasty: 5-Year Results of a Prospective Observational Study. Orthop J Sport Med. 2019 Sep 1;7(9):2325967119872746.
  6. Krismer M, Biedermann R, Stöckl B, Fischer M, Bauer R, Haid C. The prediction of failure of the stem in THR by measurement of early migration using EBRA-FCA. Einzel-Bild-Roentgen-Analyse-femoral component analysis. J Bone Joint Surg Br. 1999 Mar;81(2):273–80.
  7. Kutzner KP, Freitag T, Kovacevic MP, Pfeil D, Reichel H, Bieger R, Pfeil J. One-stage bilateral versus unilateral short-stem total hip arthroplasty: comparison of migration patterns using «Ein-Bild-Roentgen-Analysis Femoral-Component-Analysis». Int Orthop. 2017 Jan 13;41(1):61–6.
  8. Kutzner KP, Ried E, Donner S, Bieger R, Pfeil J, Freitag. Mid-term migration pattern of a calcar-guided short stem: a five-year EBRA-FCA-study. J Orthop Sci. 2020.
  9. Kutzner KP, Freitag T, Donner S, Kovacevic MP, Bieger R. Outcome of extensive varus and valgus stem alignment in short-stem THA: clinical and radiological analysis using EBRA-FCA. Arch Orthop Trauma Surg. 2017 Mar 2;137(3):431–9.
  10. Kutzner KP, Kovacevic MP, Freitag T, Fuchs A, Reichel H, Bieger R. Influence of patient-related characteristics on early migration in calcar-guided short-stem total hip arthroplasty: a 2-year migration analysis using EBRA-FCA. J Orthop Surg Res. 2016 Dec 7;11(1):29.
  11. Gkagkalis G, Goetti P, Mai S, Meinecke I, Helmy N, Bosson D, Kutzner KP. Cementless short-stem total hip arthroplasty in the elderly patient-is it a safe option?: a prospective multicentre observational study. BMC Geriatr. 2019 Apr 17;19(1):112
  12. AOANJRR Annual Report 2019. aoanjrr.sahmri.com/annual-reports-2019. Letzter Zugriff 03.02.2020.
  13. SIRIS Annual Report 2012 – 2018. online.fliphtml5.com/hpdh/tpxc/. Letzter Zugriff 03.02.2020.
  14. Endoprothesenregister Deutschland (EPRD), Jahresbericht 2019 www.eprd.de/fileadmin/user_upload/Jahresbericht_2019_doppelseite_2.0.pdf. Letzter Zugriff 03.02.2020.
     

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