Interview

Hinter den Kulissen während COVID-19

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Das neuartige Virus COVID-19 hat uns alle weltweit in eine ausserordentliche Lage versetzt und uns gefordert. Wie haben wir als Firma Mathys diese Krise gemeistert? Unser CEO Benjamin Reinmann nimmt im nachfolgenden Interview Stellung dazu und wagt einen Ausblick in die Zukunft.

Wann haben Sie zum ersten Mal vom neuen Coronavirus gehört und wann wurde Ihnen bewusst, dass das Unternehmen Mathys davon bedroht sein würde?

Die erste, Gott sei Dank nur virtuelle Bekanntschaft, machte ich mit dem neuen COVID-19 Virus im Januar 2020, als ich die News aus Wuhan, China, sah. Natürlich waren mir Coronaviren aus meiner medizinischen Ausbildung geläufig und somit war ich in den ersten Tagen auch noch eher entspannt. Irritiert war ich jedoch, als sich einerseits zeigte, wie aggressiv sich dieser Virustyp auf den Menschen auswirken kann und andererseits mit welchen drastischen Massnahmen die chinesischen Behörden versuchten, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das China nicht gerade zimperlich vorgeht, war mir bewusst. Dass aber eine Millionenstadt wie Wuhan in allen Dimensionen komplett von der Aussenwelt abgeschottet wird, liess mich aufhorchen. Mir war sofort klar, dass ein Virus mit einer Inkubationszeit von bis zu 2 Wochen nicht aufzuhalten ist. Unsere Welt ist einfach zu schnelllebig und vernetzt, da ist jede Reaktionszeit zu lang. Kurze Zeit später war klar: Die Firma Mathys wird vielfältig betroffen sein.

Welches waren die ersten Massnahmen die umgehend bei Mathys getroffen wurden?

Bereits im Februar haben wir deshalb in der Firma Mathys einen Pandemiestab unter der Leitung unseres Sicherheitsbeauftragten ins Leben gerufen. Im Vordergrund stand der Schutz der Mitarbeitenden weltweit. Dabei hielten wir uns strikte an die Handlungsrichtlinien der Gesundheitsbehörden der jeweiligen Länder und setzten diese entsprechend um. Dazu gehörte, dass ca. 90% der Mitarbeitenden im administrativen Bereich das Home-Office nutzen und alle Besprechungen virtuell mittels der Software «Teams» abgehalten wurden.

«Im Vordergrund stand der Schutz der Mitarbeitenden weltweit.»

In den Bereichen, wo eine physische Anwesenheit der Mitarbeitenden zwingend notwendig war, wie zum Beispiel in der Produktion, hielten wir die Abstandsregeln konsequent ein. Mitarbeitenden mit Vorerkrankungen, welche aufgrund ihrer Aufgabe im Unternehmen nicht Home-Office machen konnten, blieben zu Hause. Da es unseren Kunden, die Ärzte resp. Spitäler, im weiteren Verlauf der Pandemie nicht mehr erlaubt war, elektive Operationen durchzuführen, führten wir umgehend Kurzarbeit im gesamten Unternehmen weltweit ein. Dies war für die Mitarbeitenden oft nicht leicht, da dies auch mit persönlichen, finanziellen Einbussen einherging.

Wie haben Sie ihr Führungsteam während dieser Zeit wahrgenommen?

Die langen Wochen des Lockdowns in den Ländern waren für uns alle vor allem emotional anstrengend. Die anfängliche Angst bezüglich der Gesundheit wich rasch dem Stress von Kinderbetreuung, Home-Office, Kurzarbeit und sozialer Isolation. In dieser anspruchsvollen Zeit kommt der Führung der Mitarbeitenden eine besondere Bedeutung zuteil. Die Ungewissheit erzeugt Unsicherheit. Dem kann man am besten mit offener und häufiger Kommunikation und Motivation entgegenwirken. Diese Aufgabe wurde durch das Führungsteam der Firma Mathys vorbildlich gelöst. Nicht von ungefähr zeigt sich in der Krise, wer führen kann.

Wie hat sich die Belegschaft auf Grund der Massnahmen verhalten und diese aufgenommen?

Das Mathys Team ist einfach wunderbar! Ich kann es nicht anders sagen und ich bin sehr stolz auf meine Mitarbeitenden. Trotz der Lockdown-Belastung und der einschneidenden Massnahmen, die wir treffen mussten, erlebte ich täglich, wie die Mitarbeitenden immer das Beste gegeben und gemeinsam pragmatische, der Situation angepasste Lösungen gefunden haben. Stets hatte ich das Gefühl, dass jede und jeder den anderen unterstützt und bereit ist, die Extrameile zu gehen. Dies hat mich sehr beeindruckt und aufgezeigt, dass dieser Teamspirit als «Kitt» für unsere Unternehmung essenziell ist.

Wie haben wir in dieser ausserordentlichen Situation mit unseren Kunden und Partnern agiert?

Diese Frage geht in zwei Richtungen. Unsere Kunden waren durch die länderspezifischen Massnahmen der Gesundheitsbehörden ebenso stark eingeschränkt wie wir. Oft war es unserem Aussendienst auch gar nicht erlaubt, die Spitäler zu besuchen, was absolut verständlich und richtig war. 

«Unser wichtigstes Ziel war, dass wir auch während der COVID-19 Krise, jederzeit und überall für unsere Kunden da sind.»

Der Kontakt wurde also in erster Linie elektronisch geführt und auf ein Minimum reduziert, um die Ressourcen in den Spitälern nicht noch zusätzlich zu belasten. Die meisten Länderorganisationen richteten einen Pikettdienst ein, um allfällige Bedürfnisse unserer Kunden rasch und unkompliziert adressieren zu können. Unser wichtigstes Ziel war, dass wir auch während der COVID-19 Krise, jederzeit und überall für unsere Kunden da sind und v. a. lieferfähig blieben, wie man sich das von Mathys gewohnt ist. Die andere Seite sind unsere Zulieferer. Wir hatten grosses Glück, dass unsere Lieferketten zu keiner Zeit unterbrochen waren. Dank den langjährigen, partnerschaftlichen Beziehungen zu unseren Zulieferern, der geringen Abhängigkeit von China und der hohen Fertigungstiefe resp. Wertschöpfung in unserer Produktion, konnten wir auch hier die Lieferfähigkeit friktionslos sicherstellen.

Welche Projekte waren am meisten von der neuen Situation betroffen?

Die Frage muss leider lauten, welche Projekte waren nicht von der Krise betroffen. Wir haben uns schwergewichtig auf zwei Ziele fokussiert. Sicherstellung der Lieferfähigkeit zugunsten unserer Kunden und zweitens die Umsetzung der MDR Richtlinien. Bekanntermassen hat sich ja die Europäische Kommission dazu entschlossen, die Einführung der neuen MDR Richtlinien am 26. Mai 2020 um ein Jahr auf den 26. Mai 2021 zu verschieben. Da jedoch die Gültigkeit der MDD Zertifikate der bestehenden Produkte durch die Europäische Kommission nicht ebenfalls um ein Jahr verlängert wurde, hilft die Verschiebung der Einführung zwar kurzfristig, nicht aber langfristig. Somit haben wir uns entschlossen, dieses wichtige Projekt weiterzuführen. Dadurch werden nun auch alle anderen Projekte profitieren, die wir nun wieder hochfahren.

Welche Chancen kann diese Krise für Mathys haben?

Der Einsatz der elektronischen Kommunikationsmittel oder mit anderen Worten die Digitalisierung ist für mich eine klare Chance. Dies klingt nun etwas abgedroschen, erzählt dies doch jeder CEO. Es ist aber wahr. Während der Krise haben wir alle damit neue Erfahrungen gemacht, weil wir es mussten und nicht, weil wir es wollten. Es ist immer wieder erstaunlich, dass oft ein externes Ereignis notwendig ist, um daran erinnert zu werden offen für Änderungen, Neues und Ungewohntes zu sein. Dies geht aus meiner Sicht aber deutlich über den Einsatz von smarten Conferencing-Tools hinaus. Nehmen wir zum Beispiel die Kongresse. Die meisten wurden für 2020 abgesagt und es entstehen neue Formate, welche den klassischen Kongress ergänzen oder ablösen sollen.

«Der Einsatz der elektronischen Kommunikationsmittel oder mit anderen Worten die Digitalisierung ist für mich eine klare Chance.»

Persönliche Kontakte sind für uns Menschen wichtig und notwendig. Es ist schwierig über elektronische ­Medien die Mimik und die Körpersprache zu interpretieren und das «Gespür» für sein Gegenüber zu entwickeln. Trotzdem wird die Kongresslandschaft in Zukunft nicht mehr die Gleiche sein. Dasselbe wird sich im Umgang mit dem Kunden zeigen. Die Digitalisierung der Kundenbeziehung wird ebenfalls Aufwind erhalten. Der Mensch bleibt Mensch und ist ein soziales Wesen. Man wird sich weiterhin persönlich zu Freizeitaktivitäten oder Meetings zwecks Hands-on Schulungen treffen. Dennoch werden jetzt durch technische Möglichkeiten und Plattformen Veränderung stattfinden, die andere traditionelle Formate ablösen. In Zukunft gilt: was sich virtuell diskutieren, austauschen, lernen lässt, wird sich in eine digitale Welt verschieben.

Wird sich die Wirtschaft nach COVID-19 nachhaltig verändern und welche Aus­wirkungen wird dies für Mathys haben können?

Die Menschen vergessen bekanntlich schnell. Das liegt wohl daran, dass unser Hirn im Sinne eines Schutzmechanismus negative Erlebnisse tendenziell schneller verdrängt. Die Frage ist also berechtigt ob sich schlussendlich nichts geändert haben wird und alles beim Alten bleibt? Ich glaube nicht! 
Ein Ereignis wie COVID-19 wird unsere Gesellschaft und insbesondere auch die Wirtschaft genug lange Zeit beschäftigt haben, dass sich Veränderungen einstellen müssen. Neue Ideen entstehen oder Bestehendes muss überdacht werden. Ich rechne damit, dass sich die Wirtschaft nicht vor 2022 vollständig erholen wird. Vielleicht sehen wir gegen Ende 2020 eine gewisse Kompensation, die jedoch abflachen wird. Gespannt bin ich auf die Auswirkungen der COVID-19 Krise auf die Lieferketten.

«Neue Ideen entstehen oder Bestehendes muss überdacht werden.»

Wenngleich ich nicht an eine De-Globalisierung glaube und dies auch für falsch halte, werden sich doch einige Hersteller wieder vermehrt dem Insourcing von kritischen Prozessen oder Halbfabrikaten widmen müssen. Für uns als Mathys wird dies wenig Einfluss haben, können wir doch auf eine belastbare Lieferkette bauen und somit eine zuverlässige Lieferfähigkeit für unsere Kunden sicherstellen. Generell wird Mathys die Krise gut überstehen. Wir sind sehr solide aufgestellt und haben uns für die Zeit nach ­COVID-19 intensiv vorbereitet.

Herr Reinmann, haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch!

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